Das Sammeln

Der 1934 geborene polnische Phlisoph Krzysztof Pomian schildert in seinem 1998 erschienen Buch 'Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln' das Phänomen 'Sammeln' als ehrenwerte menschliche Eigenheit.  "Wenn man  Gegenständen, die aus der Vergangenheit  . . .  kommen, einen bedeutenden Wert zuschreibt, legitimiert man damit die Beschäftigung der Menschen, die solche Gegenstände suchen, sammeln, konservieren und erforschen." (S. 69)  Sie als Sammlerin oder Sammler brauchen sich also wegen Ihres besonderen Hobbys nicht nachsichtig belächeln zu lassen, wenn Sie älteren Telefon- oder Telegrafen-Geräten und  -Einrichtungen ihr Herz zuwenden. Sie dürfen sich berufen und legitimiert dazu fühlen.

Geht es Ihnen nicht genau so, wie der Philosoph schreibt? Sie "lassen sich Vitrinen bauen  . . .  oder richten Orte und Ecken her, wo die Gegenstände abgelegt werden können . . .  und verfolgen nur ein Ziel: Gegenstände zusammenzutragen, um sie für das Auge auszustellen." . . .  "Obwohl die . . .  Sammler-Objekte kaum nützlich sind und nicht einmal zum Schmuck der Innenräume dienen, in denen sie ausgestellt sind, umhegt man sie doch mit Sorgfalt. . . .  sind die Gegenstände beschädigt, so stellt man - wenn möglich - ihren ursprünglichen Zustand wieder her." (S. 14)

Was Pomian philosophierend erkennt: "Einerseits werden die Sammler-Stücke zeitweilig oder endgültig aus dem Kreislauf ökonomischer Aktivitäten herausgehalten, andererseits aber werden sie besonders geschützt, das heißt, sie werden als wertvolle Gegenstände betrachtet. . . Kurzum, das Paradoxon besteht darin, dass sie einen Tauschwert besitzen, ohne einen Gebrauchswert zu haben." (S. 17). Wir Sammler wissen alle aus Erfahrung um diese Erkenntnis.

 

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Ein Sammelsurium aus für Laien oft unbenennbaren, unbekannten ja wertlosen Gegenständen, die jedoch einem darauf spezialisierte und passionierten Sammler das Herz höher schlagen lassen. Ihren Gebrauchswert haben diese Sachen von einst schon längst verloren - doch ihr weit höherer Wert liegt jetzt im Ausstellen, im Herzeigen, vielleicht im Tauschen, wenn man mehrere Exemplare davon hat, die wiederum einem anderen Gleichgesinnten ins Auge stechen.

Dem von mir  'Haben-Sammler' genannten Sammeltypus bringen diese alten Teile meist  wenig an Prestige, denn sie machen fürs erste nichts her - sie geben ihre inneren Werte erst preis, wenn sie vom Kenner vorgestellt, erklärt und in ihren soziologischen Rahmen gestellt werden. Erst durch ihre narrative, d. h. erzählerische Einbettung werden sie lebendig, legen sie ihre Geschichte, ihren Verwendungszweck und ihr Bedeutung offen und der Zu-Sehende und Zu-Hörende begreift ihren historischen Wert als Zeitdokument. Hier eben ist der von mir so genannte 'Zeigen-Sammler' gefragt. Er schildert in kleinen Geschichten und Geschichtchen aus ihrem Umfeld und über  ihren Einsatz ihre oft begrenzte und kaum wahr genommene Bedeutung - ihren inneren Werte - und versetzt damit sein heutiges Auditorium lustvoll in die Epoche seiner 'Schützlinge'.

Möchten Sie sich etwas  tiefere und heitere  Gedanken über diese Thematik machen?  Dann lesen Sie doch  einfach meinen Vortrag  < Lebendige Vergangenheit für die Zukunft - Die Telefon-Sammlung Schmidt